Das Schwedenkreuz in Bergneustadt / Belmicke
Schwedenkreuz

Standort: Im Ortsteil Belmicke vor dem Südeingang des Friedhofes, eingebettet in einer vom Heimatverein "Hohe Belmicke" gestalteten Anlage.

"ANNO 1635 DEN 8. JUNI IST DER
ERBÜR UND FROMER FORNEMER
PETER BÄTZ VON DROLLHAGEN
CAMNER VON DEN SCHWEDEN
ALLHIR ERSCHOSE. / DESEN
SELE GOTT GNAD. AMEN"
(Inschrift des "Schwedenkreuzes")

Hier wurde also vor nun schon mehr als 300 Jahren der Kämmerer der Stadt Drolshagen erschossen. Von den Schweden? Wie kommen denn schwedische Truppen in diese abgelegene Gegend? Nun, so entlegen war damals das auf der luftigen Höhe gelegene Belmicke nicht. Im Mittelalter führte die große Handelsstraße Köln-Olpe (die heute über Wiedenest-Wegeringhausen führt) über die höchstens 500 Meter von Belmicke entfernte Höhe des sogenannten Blumenhagen. Von der rheinischen Seite herauf führte die Handelsstraße über die Höhe östlich von Oberderschlag nach Baldenberg-Hecke bis zum Benolper-Kopf, wo sie das heutige Westfalen erreicht hatte. Von hier aus zog sie sich genau östlich durch den Wald zur Reckhammerbrücke und nach Drolshagen-Olpe weiter. Der Belmicker Hof und die vier oder fünf Häuser von Brüchen lagen also im Gegensatz zu heute sehr nahe an einem Hauptverkehrsweg. Ein Abstecher nach hier nahm nicht viel Zeit in Anspruch. Außerdem wurden auch die benachbarten kleinen Städte Drolshagen, Olpe, Neustadt und nicht zuletzt auch die alte Hansestadt Attendorn in den Jahren 1635 bis 1640 mehrmals von den Schweden heimgesucht. Ein weiterer Beweis für die kriegerischen Besuche in diesem Grenzgebiet zwischen Rheinland und Westfalen sind die sogenannten Schwedenschanzen in den dortigen Wäldern.

Einen sehr gut erhaltenen Graben findet man noch im Laubberg, halbwegs zwischen Belmicke und Wiedenest. Der Grund, weshalb der Kämmerer nun erschossen wurde, ist sehr umstritten. Die Überlieferung kennt die folgenden Erklärungen:

Die eine sagt, Butz sollte die Schweden von Derschlag aus nach Drolshagen führen. In den Wäldern der dortigen Berge kam es den Soldaten vor, als würden sie absichtlich falsch geführt. Der Wald nahm ja kein Ende, weit und breit nichts zu sehen, Drolshagen sollte doch so nahe liegen! Der Führer war vielleicht ein Verräter l Da bezahlte man ihn kurzer Hand mit einer Ladung Pulver und Blei.

Andere wollen wissen, dass schwedische Truppen gegen Drolshagen heranrückten. Die Stadt wollte Kampf und Plünderung verhüten und sandte ihren Rentmeister (Kämmerer) den Soldaten entgegen, um ihnen ein Lösegeld anzubieten, wie es damals häufig geschah. Doch konnte man sich über die Höhe der "Entschädigungen" (Kontribution) nicht einigen. Butz erschien den Schweden zu geizig, weshalb sie ihn erschossen. Diese letzte Form bringt auch der "Führer durch das Oberbergische Land".

Dagegen schreibt Pfarrer Süß 1841 in seiner "Chronik von Belmicke" (Seite 2): " Es ist bekannt, dass das hier angrenzende Drolshagen und das sogenannte Kölnische oder Sauerland dem katholischen Glauben treu geblieben ist, und es lässt sich vermuten, dass der unglückliche Peter Butz, seligen Angedenkens, dessen Nachkommen noch heute in Drolshagen leben, durch religiösen Eifer hierher getrieben worden ist, um vielleicht den Wiedenester Katholiken gegen ihre schwedischen Unterdrücker Rat und Beistand zu leisten, und so wäre er dann ein Opfer für seinen Glauben geworden und als treuer Bekenner seiner Kirche gefallen."

Er fährt dann fort: " Die Chronik von Drolshagen führt auch die Mordtat an und sagt, dass Butz in Angelegenheiten der Stadt abwesend gewesen sei, welche Abwesenheit wahrscheinlich mit einer Untersuchung in Verbindung stand, so er begonnen wegen eines gotteslästerlichen Frevels, dessen ein gewisser Mutzenbach damals an den heiligen Kirchengefäßen an der Kirche zu Drolshagen sich schuldig gemacht hat. Dieser Mutzenbach hat die Monstranz aus der dasigen Kirche weggenommen und auf dem Markt danach geschossen

Des Priesters Joh. Kos. W. Finck "Chronik von Drolshagen", eine Handschrift von 1768 nach Aufzeichnungen seines "Uebergroßvaters", des "regierenden Bürgermeisters", und seines "Herrn Oehm", der lange Stadtschreiber war, meldet uns: 1633, den 8. Juli, ward der Kämmerer Peter Butz, der in städtischen Angelegenheiten zu den Schweden reisen wollte, unweit von der Belmicke, wo ihm ein steinernes Kreuz gesetzt ist, von einem schwedischen Vorposten tot geschossen, weil er auf dreimaliges Anrufen nicht geantwortet hatte". - Das ist der Bericht von Zeitgenossen, der sicher nur deshalb so wenig bekannt ist, weil die "Chronik von Drolshagen" sehr selten geworden ist. Es war also so, dass hier schwedische Truppen lagen. Einen Posten hatten sie bis in den zum Benolper Kopfe führenden Hohlweg bis an den Kreuzweg vorgeschoben. Von hier aus übersah die Wache vor sich den Weg nach Benolpe, halbrechts denjenigen nach Freischlade und Othe, und nach halblinks konnte sie noch den zur großen Straße führenden Fußweg beobachten, der damals quer über die heutigen Felder zu der Straße Köln-Olpe führte. An diesem Fußweg fand man die Leiche, hier errichtete die Stadt Drolshagen auch das Steinkreuz, kaum hundert Schritte von dem Friedhof in Belmicke entfernt. Pfarrer Süß ließ zum ersten Male Stein und Schrift auffrischen. Das mitten in einem Felde stehende Kreuz wurde 1901 an die Nordecke des Ackers gestellt und gleichzeitig auf Veranlassung des Sauerländischen Gebirgsvereins und der Gemeinde Drolshagen Stein und Schrift fachgemäß gereinigt. Die Rückseite des Kreuzes zeigt übrigens als barocke Steinmetzarbeit im Flachrelief einen Engel mit zwei Flügelschwingen.

Im Jahre 1977 wurde das Schwedenkreuz erneut versetzt und gleichzeitig restauriert. Es steht jetzt auf einem von der Stadt Bergneustadt erworbenen Grundstück vor dem Südeingang des Friedhofs Belmicke, eingebettet in einer vom Heimatverein "Hohe Belmicke" gestalteten Anlage.