Von der ersten Besiedlung bis in die 60iger Jahre

In der Zeit der Erstbesiedlung zwischen dem 8. und 10 Jahrhundert war die heimische Region ein kaum angetastetes Wald- und Sumpfgebiet. Hier verlief die Grenze zwischen den Sachsen, die nördlich und östlich angesiedelt waren und den im Westen angesiedelten Franken.

In den sächsischen und fränkischen Kern-gebieten der Münsterländer Bucht und der Rheinebene hatte sich der Bevölkerungszahl im 7. und 8. Jahrhundert so erhöht, dass Siedler in das Oberbergische vordrangen. Gelenkt wurde die „Landnahme“ von den sächsischen Herzögen und den fränkischen Gaukönigen.

In der von Menschen noch unberührten Natur gab es selbstverständlich keine Verkehrswege. Die Bäche zogen sich in Mäandern durch die Täler und die Natur bestimmte, wie sie nach starkem Regen oder Schneeschmelze verliefen.

Die Talauen waren dadurch landwirtschaftlich nicht nutzbar, als Verkehrsweg ungeeignet und für die Menschen ein Hindernis. Die Siedler suchten sich daher ihren Weg über die überwiegend bewaldeten Höhen und folgten Wildpfaden auf der Suche nach geeignetem Siedlungsland. Auf den Höhen, wie Hackenberg und Leienbach, gab es bessere Siedlungsmöglichkeiten! Das leicht hangige Gelände seitlich des Leienbaches war für die bäuerliche Nutzung geeignet. Das Quellwasser des Leienbaches, die Sonnenseite und der Schutz des Knollen vor den kalten Nord-ostwinden waren die Bedingungen, unter denen Einzelhöfe entstanden. Es ist nicht auszuschließen, dass landsuchende „sächsische Siedler“, die im 8. Jahrhundert aus der Münsterländer Bucht kommend in den Aggerraum vorrückten, die günstige Lage des Hochtales erkannten und hier auf dem Hackenberg die erste Siedlung errichteten.

Die Einzelhöfe entstanden in der Regel unterhalb der Quellmulde am Talanfang. Die Talsohle blieb über lange Zeiträume siedlungsleer. Auch auf dem Hackenberg waren die an den Leienbach angrenzenden Flächen bis zu einer Regulierung des Bachlaufes und einer Drainage der angrenzenden Flächen versumpft. Die Flurbezeichnung „Am Uelchen“ gibt auch heute noch Auskunft über den damaligen Zustand. Die Gehöfte mit dem dazugehörigen Ackerland waren vom Wald vollständig umschlossen. Jeder Hof war eine selbstständige Versorgungseinheit. Als Verbindungswege dienten Wildwechsel und Trampelpfade.

Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzungen zwischen Franken und Sachsen begann für die Bewohner des Aggerraumes die „fränkische Zeit“, in der sich das frühmittelalterliche Siedlungsbild veränderte. Im Gefolge der Heereszüge Karl des Großen (768 bis 814) kamen „fränkische Siedler“ aus der Kölner Bucht in unser Gebiet. Die nicht bewaldeten Flächen wurden inzwischen von den sächsischen Siedlern bewirtschaftet. Um Acker- und Weideland zu bekommen, mussten diese fränkischen Siedler den Wald roden. In dieser Zeit entstanden die sogenannten „Rodungshöfe“ vermutlich auch in Baldenberg, Belmicke, Immicke, Hackenberg und Leienbach.

Bis zur Jahrtausendwende entwickelt sich in dieser Grenzregion durch die Verzahnung der Siedlungsformen, Sitten, Mundarten und Gebräuche der Sachsen und der Franken eine eigenständige Mischstruktur. 

Eindeutige Siedlungsspuren und Funde aus dieser Zeit fehlen. Geschichtsforschern ist es aber gelungen anhand typischer Ortsbezeichnungen und Flurnahmen entsprechende Rückschlüsse zu ziehen. Auch die in der Nähe gelegene Fliehburg lässt darauf schließen, dass bereits vor mehr als tausend Jahren Menschen auf dem Hackenberg lebten.

Mit der Unterwerfung der heidnischen Sachsen durch die Franken begann zudem in unserem Raum die Christianisierung. Urkundlich nicht belegt, aber anhand von Unterlagen nachvollziehbar ist, dass der Hackenberger Edelmann Hille und seine Ehefrau Cilla die Wiedenester Kirche gestiftet haben.

Bis in das 18. Jahrhundert gehörten die Bauernschaften bzw. Siedlungen Hackenberg, Leienbach Wald und Sundhelle zur Wiedenester Kirche. Über den, auch heute noch bekannten, Grabweg führte der Weg zur Kirche und zum Friedhof unterhalb des Längesten und den Nistenberg herab nach Wiedenest. Ab dem Jahr 1301 wurde die Kirche für mehr als 400 Jahre auch Pfarrkirche der neugegründeten „Neustadt.“

Die Höfe auf dem Hackenberger Grund ge-hörten um die Jahrtausendwende neben dem Pernzer und Othener Grund zur Bauernschaft Wiedenest. Der Hackenberger Grund umfasste die Höfe Hackenberg, Leienbach und Sundhelle und erstreckte sich in einem schmalen Streifen bis hinunter zur Agger. Jede Bauernschaft war außerdem durch je einen „Scheffen“ im Gerichtsbezirk vertreten.

Nachdem im Jahr 1301 die Ritter des Gra-fen von der Mark vom Hackenberg kom-mend, unterhalb dieses Berges eine Stadt-burg bauten und die Neustadt gründeten, bewohnten in den nachfolgenden Jahrhunderten Menschen den Hackenberg, die mehr schlecht als recht von Ackerbau und Viehzucht lebten, während die Neustadt zu einer wirtschaftlich und kulturell bedeutsamen Stadt heranwuchs.

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Große Veränderungen gab es bis zum 20. Jahrhundert nicht. Die aus ca. 50 Häusern bestehende Siedlung erlebte erst nach dem 2. Weltkrieg einige Veränderungen. Durch den Bau der beiden Nebenerwerbssiedlungen im Sonnenkamp um 1955 und Anfang der 60iger Jahre auf dem Knollen, erhöhte sich die Zahl der in Hackenberg / Leienbach wohnenden Bevölkerung auf ca. 400 Personen.

Die Infrastruktur bestand aus zwei kleinen Lebensmittelgeschäften, einer Feuerwache, einer Turnhalle, einer Jugendherberge, ei-nen Minigolfplatz und der Gaststätte „Zum Hackenberg“. Für die nachbarschaftliche Unterhaltung sorgte der örtliche Theaterverein „Maiglöckchen“. Bergneustadt war nur über die schlecht ausgebaute Bergstraße und über die sehr steile Verbindung vom Ortskern Hackenberg über die Straße Räschen und den steilen Hackenberger Weg durch die Altstadt zu erreichen. Es bestand nur eine schlechte Busverbindung. Kindergarten, Schule und Arbeitsplatz in Bergneustadt mussten meist zu Fuß oder mit eigenem Fahrzeug erreicht werden. Unterhalb von Leienbach, an der Straße zwischen der Sperrmauer und Dümmlinghausen, befand sich eine offene Müllkippe. Häufig brannte der Müll. Bei der vorherrschenden Windrichtung aus Westen war die Geruchsbelästigung in Hackenberg erheblich.

Die Wasserversorgung erfolgte für die alten Ortsteile Hackenberg / Leienbach durch die 1907 gegründete Wasserleitungsgenossenschaft Hackenberg - Leienbach. Diese wurde aufgelöst, nachdem die Versorgung nach dem Krieg durch die Stadt Bergneustadt übernommen wurde.

Im Jahr 1875 wurde auf dem Hackenberg eine einklassige Schule eingerichtet. Die Schülerzahl betrug damals 58, stieg 1876 auf 72, schwankte in den folgenden Jahren auf und ab, um dann im Jahr 1925 auf 14 Schüler herabzusinken. Geschlossen wurde die Schule im Jahre 1939 bei einer Schülerzahl von 29. Das bedeutete, dass die Kinder nach Bergneustadt in die Schule mussten.

Dies sind einige Fakten zur Ausgangslage, bevor der Hackenberg Ende der 60er Jahre mit einem umfassenden Planungsprojekt komplett erschlossen und neu bebaut wurde.

Dr. Thomas Funke in "Bergneustadt im Blick" Folge 693 u. 694 / 2011